Unternehmenspartnerschaft mit einer NGO: Formen der Zusammenarbeit mit Malteser
Unternehmen können soziale Projekte auf unterschiedliche Weise unterstützen: mit Geld, Sachleistungen, Expertise, Zeit ihrer Mitarbeitenden oder einer gemeinsamen Kommunikationskampagne. Bei Malteser wird die Form der Partnerschaft an der Aufgabe des Unternehmens und am tatsächlichen Bedarf der Menschen ausgerichtet. Nach dem Start werden Beitrag, geleistete Arbeit und soziale Ergebnisse dokumentiert. Informationen für Unternehmen: Für Unternehmen.
Damit verändert sich auch der Blick auf Corporate Social Responsibility. Die Unternehmensleitung sieht Aufgabe und Budget, HR erhält ein verständliches Format für Mitarbeitendenengagement und CSR- oder ESG-Verantwortliche bekommen eine Struktur für Kennzahlen und Berichte. Die unterstützten Menschen erhalten Hilfe, die sich an ihrer realen Situation orientiert.
Warum eine Partnerschaft mit der Aufgabe beginnt
Unternehmen und gemeinnützige Organisationen bringen unterschiedliche Ressourcen mit. Ein Unternehmen verfügt möglicherweise über Finanzierung, Logistik, Fachpersonal oder eine große Öffentlichkeit. Eine NGO kennt die Bedürfnisse der Zielgruppen, organisiert soziale Programme und trägt Verantwortung für die Arbeit mit Teilnehmenden.

Zu Beginn sollten beide Seiten deshalb klären: Welches Problem soll für welche Menschen in welchem Zeitraum und in welchem Umfang bearbeitet werden? Danach werden die Ressourcen des Unternehmens, ein passendes Malteser-Programm, Rollen, Zeitplan und Form der Ergebnisdokumentation festgelegt. So lässt sich Unterstützung gezielt einsetzen und mögliche Grenzen werden früh sichtbar.
Internationale Partnerschaften folgen häufig derselben Logik. American Red Cross und Grainger verbinden seit vielen Jahren Finanzierung, Sachleistungen, Mitarbeitendenschulungen und freiwillige Einsätze. Im Mittelpunkt steht ein konkreter Bedarf – etwa die Sicherheit von Menschen in ihren Wohnungen – und Ressourcen werden passend dazu kombiniert.
Vier Formen der Unternehmenspartnerschaft bei Malteser
1. Finanzierung eines sozialen Programms
Ein Unternehmen unterstützt ein bestehendes Angebot oder ein konkretes Projekt. Vereinbart werden Zielgruppe, Zeitraum, Budget, zulässige Ausgaben, erwartete Ergebnisse und Berichtsform.
Finanzierung kann Fachkräfte, Materialien, Transport, Vorbereitung von Freiwilligen, Koordination und zugängliche Räume ermöglichen. Für die Unternehmensleitung entsteht ein klarer Bezug zwischen Budget und sozialer Aufgabe; die Stiftung kann Angebote verlässlich planen und Qualität sichern.
Bei längerer Zusammenarbeit lässt sich Entwicklung beobachten: Welche Leistungen wurden erbracht? Wie viele Menschen wurden erreicht? Welche Veränderungen sind sichtbar? Welcher nächste Schritt braucht weitere Ressourcen? Dieses Modell eignet sich besonders für Unternehmen, die Kontinuität, Transparenz und nachvollziehbare Wirkung suchen.

2. Beteiligung von Mitarbeitenden
Corporate Volunteering macht Zeit und Fähigkeiten von Mitarbeitenden zu einem Bestandteil sozialer Programme. Teams können im Zentrum helfen, Hilfspakete vorbereiten, Veranstaltungen unterstützen, Workshops gestalten, Erste Hilfe lernen oder sich regelmäßig engagieren.
Für Mitarbeitende müssen Aufgabe, Dauer, Ort, Sicherheitsregeln und Kontakt zur Koordination im Voraus klar sein. Sinnvoll sind unterschiedliche Rollen: praktisch, kommunikativ, bildungsbezogen oder professionell. Wahlmöglichkeiten verbessern die Passung zwischen Person und Aufgabe.
Eine WZIOM-Untersuchung zum Corporate Volunteering berichtete, dass 72 Prozent der arbeitenden Befragten grundsätzlich bereit waren, an sozialen Programmen ihres Arbeitgebers teilzunehmen; 25 Prozent hatten bereits entsprechende Erfahrung (WZIOM, 12. November 2024). Die Aufgabe eines Unternehmens besteht damit auch darin, Bereitschaft in einen einfachen und gut vorbereiteten Weg zur Beteiligung zu übersetzen.
3. Sachleistungen, Dienstleistungen und professionelle Expertise
Unternehmen können Lebensmittel, Hygieneartikel, Ausstattung, Transport oder Logistik bereitstellen. Fachabteilungen können bei Design, Recht, Finanzen, digitalen Lösungen, Kommunikation oder Prozessentwicklung unterstützen.
Entscheidend ist die vorherige Abstimmung. Die Stiftung braucht konkrete Waren, Mengen, Zeiträume und Lieferbedingungen; Fachleute brauchen eine klare Aufgabenbeschreibung und eine verantwortliche Kontaktperson. Nur abgestimmte Ressourcen schließen einen aktuellen Bedarf und sparen beiden Seiten Zeit.
Die UPS Foundation und CARE haben beispielsweise Sachleistungen, Lager- und Logistikstrukturen sowie Mitarbeitendenengagement miteinander verbunden. Solche Modelle zeigen, wie operative Unternehmensressourcen Teil humanitärer und sozialer Unterstützung werden können.
4. Gemeinsame Kampagne oder soziale Initiative
Unternehmen und Stiftung können gemeinsam eine Kampagne für Mitarbeitende, Kundinnen und Kunden oder eine größere Öffentlichkeit entwickeln: Spendenaktion, Anlasskampagne, Veranstaltung, Bildungsprojekt oder Kommunikationsinitiative für ein konkretes Programm.
Vor dem Start sollten Ziel, Zeitraum, Rollen, Botschaft, Kanäle, Regeln für Fotos und Geschichten, Geldfluss und Abschlussbericht vereinbart sein. Für Menschen, die sich beteiligen, sollte die Handlung einfach sein: eine verständliche Spendenhöhe, ein kurzer Zahlungsweg und eine klare Erklärung, wem die Kampagne hilft.
Von der Unternehmensaufgabe bis zum Bericht
Der Prozess lässt sich in vier Schritte gliedern.
1. Definieren
Das Unternehmen beschreibt die soziale Aufgabe, ihre Verbindung zur eigenen Strategie, verfügbare Ressourcen, Region, Zeitraum und Einschränkungen. Für die Stiftung ist entscheidend, welchen Bedarf von Menschen die Partnerschaft unterstützen soll.

2. Zusammenstellen
Beide Seiten wählen Programm und Format: Finanzierung, Mitarbeitendenengagement, Sachleistungen, Dienstleistungen, Expertise oder gemeinsame Kampagne. Danach werden Rollen, Verantwortliche und Zeitplan festgelegt.
3. Starten
Vereinbarungen werden dokumentiert, Teilnehmende vorbereitet und Aktivitäten begleitet. Bei der Arbeit mit Kindern, älteren Menschen oder Menschen mit Behinderungen müssen Sicherheits-, Zugänglichkeits-, Datenschutz- und Fotoregeln vorab geklärt sein.
4. Dokumentieren
Partner erfassen eingesetzte Ressourcen, erledigte Aufgaben, Teilnehmende und beobachtete Veränderungen. Ein Abschlussbericht zeigt den Beitrag des Unternehmens, die Arbeit von Malteser, Ergebnisse für die Zielgruppe und mögliche nächste Schritte.
Welches Format passt zu welcher Unternehmensaufgabe?
| Aufgabe | Passendes Format | Benötigt | Messbar |
|---|---|---|---|
| Ein konkretes Programm unterstützen | Finanzierung | Budget, Zeitraum, Ziel | Leistungen, Teilnehmende, Ergebnisse |
| Mitarbeitende einbeziehen | Corporate Volunteering | Zeit, Koordination, Einführung | Teilnehmende, Stunden, Aufgaben |
| Ressourcen bereitstellen | Sachleistungen und Logistik | Menge, Qualität, Lieferung | übergebene Güter und gedeckter Bedarf |
| Fachwissen einsetzen | Pro-bono-Unterstützung | Fachkräfte und Briefing | geleistete Arbeit und Prozessverbesserung |
| Kundschaft und Öffentlichkeit aktivieren | Gemeinsame Kampagne | Kommunikation, Zahlungsweg, Regeln | Spenden, Beteiligung, Reichweite |
Ein Unternehmen mit Fokus auf Teamarbeit kann beispielsweise einen freiwilligen Einsatz oder Erste-Hilfe-Training wählen. Ein Unternehmen mit eigener Logistik kann Transport oder Lagerung unterstützen. Starke Marketing-, IT- oder Finanzteams können ein Pro-bono-Projekt prüfen.

Welche soziale Wirkung unterstützt ein Unternehmenspartner?
Eine Partnerschaft mit Malteser kann mit direkter Hilfe, Programmen für Kinder und Familien, Angeboten für ältere Menschen, Förderangeboten, Erste-Hilfe-Kursen oder der Infrastruktur für Freiwilligenarbeit verbunden sein (Was wir tun).
Ergebnisse lassen sich konkret formulieren: Eine Familie hat notwendige Lebensmittel erhalten; ein Kind hat an einem Angebot teilgenommen; ein älterer Mensch bekam Unterstützung bei einer Alltagsaufgabe; Mitarbeitende haben Pakete vorbereitet und geliefert; eine Fachperson hat eine Schulung oder eine professionelle Aufgabe übernommen; Teilnehmende haben eine praktische Erste-Hilfe-Fähigkeit geübt.
Soziale Wirkung messen
Eine Theory of Change verbindet Ressourcen, Aktivitäten, unmittelbare Ergebnisse, Veränderungen bei Teilnehmenden und langfristige Wirkung (Theory of Change Toolkit). Für ein Unternehmensprojekt kann das so aussehen:
| Ebene | Beispiele |
|---|---|
| Ressourcen | Geld, Waren, Dienstleistungen, Mitarbeitendenstunden, Transport, Kommunikation |
| Aktivitäten | Lieferungen, Kurse, Beratung, Veranstaltungen, freiwillige Einsätze |
| Unmittelbare Ergebnisse | erreichte Familien, Teilnehmende, Pakete, Kurse, erledigte Aufgaben |
| Veränderung | Zugang zu Hilfe, neue Fähigkeiten, Teilhabe, wiederhergestellte Kontakte |
| Langfristige Wirkung | stabilere Beziehungen, mehr Selbstständigkeit, fortgesetzte Teilhabe |
Die OECD empfiehlt bei der Bewertung sozialer Projekte unter anderem Relevanz, Kohärenz, Wirksamkeit, Effizienz, Wirkung und Nachhaltigkeit zu betrachten. Für kleinere Partnerschaften kann bereits ein kurzer Bericht sechs Fragen beantworten: Welche Aufgabe wurde bearbeitet? Was wurde getan? Welche Ressourcen wurden eingesetzt? Wer wurde erreicht? Welche Veränderungen wurden beobachtet? Was sollte fortgesetzt werden?
Der Beitrag eines Unternehmens sollte vom Gesamtergebnis eines Programms getrennt beschrieben werden. Formulierungen wie „mit Unterstützung des Unternehmens konnte Malteser …“, „die Ressourcen des Partners ermöglichten …“ oder „die Partnerschaft schuf Voraussetzungen für …“ bilden gemeinsame Arbeit genauer ab.
Was ein Unternehmen erhält
Die Unternehmensleitung erhält ein soziales Projekt mit klarer Aufgabe, Budget, Zeitplan und Verantwortlichen. HR kann Mitarbeitenden unterschiedliche Rollen anbieten und eine Beteiligungskultur durch reale Aufgaben entwickeln. CSR- und ESG-Verantwortliche erhalten nachvollziehbare Daten für interne und externe Berichte.
Gleichzeitig sammelt das Unternehmen Erfahrung in gemeinsamer Problemlösung. Mitarbeitende sehen, wie Zeit, Fachwissen und Ressourcen in konkrete Arbeit übersetzt werden. Für die Kommunikation ist Sachlichkeit entscheidend: tatsächlicher Beitrag, Grenzen, Ergebnisse und mögliche Fortsetzung.
Russische Praxis: von Einzelaktionen zu Systemen
Auch in Russland gehen Unternehmenspartnerschaften zunehmend über einmalige Geldspenden hinaus. Bei VkusVill entwickelte sich eine Mitarbeitendeninitiative zum Angebot „Dobryje Pokupki“; seit September 2020 erhielten NGOs nach Angaben der Agentur für soziale Information Lebensmittelhilfe im Wert von rund 13 Millionen Rubel (Agentur für soziale Information).
OMK entwickelt den Wettbewerb „OMK Partnerschaft“, über den Mitarbeitende soziale Initiativen in den Regionen des Unternehmens umsetzen. Solche Modelle zeigen, wie Mitarbeitende zu Mitgestaltenden werden können und Ergebnisse in konkreten Aktivitäten dokumentiert werden.
Was vor dem Start vereinbart werden sollte
- soziale Aufgabe und Zielgruppe;
- Form und Umfang des Unternehmensbeitrags;
- Malteser-Programm und Region;
- Zeitplan, Budget, Transport und Materialien;
- Verantwortliche und Kontakt zur Koordination;
- Zugänglichkeit, Sicherheit und Vertraulichkeit;
- Regeln für Foto, Video und öffentliche Kommunikation;
- Ergebniskennzahlen und Datenquellen;
- Form von Zwischen- und Abschlussbericht.
Besondere Aufmerksamkeit gilt personenbezogenen Daten und Geschichten von Teilnehmenden. Namen, Fotos, Diagnosen oder familiäre Umstände dürfen nur im Rahmen entsprechender Einwilligungen veröffentlicht werden. Soziale Arbeit schützt die Würde und das Recht eines Menschen, selbst über den Grad seiner Öffentlichkeit zu entscheiden.
So beginnt eine Zusammenarbeit mit Malteser
Ein Unternehmen kann mit einer konkreten Aufgabe beginnen: ein Programm unterstützen, einen Team-Einsatz organisieren, abgestimmte Ressourcen bereitstellen, professionelle Expertise anbieten oder eine gemeinsame Kampagne starten. Nach dem ersten Projekt können beide Seiten Ergebnis und Fortsetzung bewerten.

Dieser Einstieg hilft, Erwartungen und Möglichkeiten realistisch abzugleichen. Für Malteser zählen aktueller Bedarf, gute Koordination und ausreichende Ressourcen; für Unternehmen eine transparente Aufgabe, ein verständlicher Umfang und ein Bericht über die tatsächlich geleistete Arbeit.
Häufige Fragen
Wie kann ein Unternehmen mit einer gemeinnützigen Organisation zusammenarbeiten?
Zum Beispiel durch Finanzierung, Mitarbeitendenengagement, Sach- und Dienstleistungen, professionelle Expertise oder eine gemeinsame Kampagne.
Welche Formen bietet Malteser an?
Finanzierung sozialer Programme, Corporate Volunteering, Sach- und Dienstleistungen, professionelle Unterstützung sowie gemeinsame Kampagnen und Initiativen.
Kann man mit einem kleinen Projekt beginnen?
Ja. Eine Partnerschaft kann mit einer einzelnen Aufgabe und einem klaren Zeitraum starten und nach der Auswertung erweitert werden.
Wie wird Corporate Volunteering organisiert?
Zunächst definiert das Unternehmen Aufgabe und Anzahl der Teilnehmenden. Malteser schlägt ein passendes Format vor, stimmt Rollen ab, bereitet die Gruppe vor und begleitet das Projekt.
Kann ein Unternehmen Waren oder Dienstleistungen bereitstellen?
Ja, wenn Bedarf, Menge, Qualität, Zeitpunkt und Logistik im Voraus abgestimmt werden.
Wie berichtet Malteser über eine Partnerschaft?
Die Berichtsform wird vor dem Start vereinbart und kann Unternehmensbeitrag, durchgeführte Arbeit, Teilnehmende, Ergebnisse und verfügbare Daten enthalten.
Kann das Projekt in CSR- oder ESG-Berichte einfließen?
Ja, wenn Kennzahlen, Dokumentation, öffentliche Formulierungen und die Nachweisform des Unternehmensbeitrags vorab abgestimmt werden.
Ein soziales Projekt besprechen
Beschreiben Sie, welche Aufgabe Ihr Unternehmen bearbeiten und welche Ressourcen es einbringen möchte. Das Malteser-Team hilft dabei, Format, Rollen, Zeitplan, Kennzahlen und Berichtsform festzulegen: Partnerschaft besprechen.
Malteser unterstützen
Ihre Spende hilft, die sozialen Programme von Malteser und die laufende Arbeit der Stiftung zu finanzieren.